Veränderung als Chance - Gedanken zum Jahresthema 2017-2018

Wofür steht das Wort Veränderung?

Veränderung ist ein Synonym für:
Wandel, Wechsel, Neugestaltung, Reform, Ausbesserung, Neuerung, Abänderung, Erneuerung, Aufschwung, Modifikation, Umstellung, Abwandlung, Berichtigung, … um nur einige zu nennen.

Es gibt verschiedene Veränderungsprozesse, z. B.
Die Veränderung
eines jeden Menschen während seines Lebens, von seiner Geburt bis zu seinem Tod.
in der Ernährung und der Medizin
in Organisationen, es können sich Hierarchie und Ablauforganisation in ändern bzw. geändert werden.
in der Technik z. B. die Verbreitung des PCs.

Lernen ist ein zentraler Aspekt der Veränderung, denn ohne die Veränderung durch Lernen ist menschliche Entwicklung nicht denkbar.

Wie sind wir auf das Thema „Veränderung als Chance“ gekommen und weshalb hat es uns so begeistert?

Vieles ist momentan in Veränderung, ob gesellschaftlich oder politisch, ob es uns persönlich betrifft oder die Technik, die Natur, und vieles mehr. Deshalb hat uns das Thema im vergangenen Herbst sofort gefesselt.

Das Wort Veränderung ist oft mit Angst behaftet. Es löst eine Unsicherheit aus.
Was ist und was wir haben, das wissen wir, aber was kommt, das wissen wir nicht. Und dem stehen wir oft skeptisch und unsicher gegenüber. Denn es bedeutet, dass auch wir uns verändern müssen.

Aber Veränderung birgt auch Chancen.

Diese sehen wir nicht immer auf den ersten Blick und wenn eine Veränderung in unserem Leben geschieht, dann sind wir erst einmal überrascht, vielleicht traurig und müssen uns oft neu orientieren.
So z.B. wenn die Kinder aus dem Haus gehen, ist da erst einmal
Trauer
, es fehlt ein Stück der Familie, es ist nicht mehr direkt greifbar oder ansprechbar. Wir sind alleine. Das Haus ist viel ruhiger.
Unsicherheit
, wir stellen uns viele Fragen: Wie kommt das Kind alleine klar? Ernährt es sich vernünftig. Sind die Kollegen nett? …

Nach und nach merken wir, dass diese Veränderung uns aber auch neue Möglichkeiten eröffnet.
Wir brauchen nicht mehr für eine Familie zu denken und planen, sondern nur noch für vielleicht zwei Personen.
Wir brauchen nicht mehr so viel zu kochen, bügeln, putzen und einkaufen.
Wir können spontaner sein und z. B. spontan sagen „Lass uns was essen gehen:“ oder „Wir fahren weg und übernachten dort.“
Wenn die Kinder weiter weg wohnen, kann man vielleicht ab und an einen Kurzurlaub bei ihnen oder in der Nähe verbringen.
Wir bekommen ein Stück „Freiheit wieder“.

Diese positiven Möglichkeiten, die sich durch Veränderung bieten, wollen wir in den nächsten beiden Jahren herausstellen und hoffen, dass Euch das Thema so begeistert wie uns.

Die erste Veränderung bei uns ist unser Logo
Wie Ihr seht ist es nicht rund, wie in den vergangenen Jahren, sondern eckig.
Die Symbole stehen für die verschiedenen Bereiche in denen Veränderung stattfindet: Spiritualität, Gesellschaft, Familie, Technik und auch beim Landfrauenverband.

Der Landfrauenverband im Zuge seiner Veränderungen.
Die Veränderung ist weiblich und ohne diese Weiblichkeit stünde die Entwicklung unserer Gesellschaft wahrscheinlich noch heute auf wackeligen Füßen. Die erste große Veränderung in der Frauen-Kultur der DG ist - ohne zu übertreiben - vom Landfrauenverband ausgegangen.
Der Landfrauenverband hat fast die Jahre zurückgelegt die ich in meinem Jahresregister aufzuweisen habe. Der einzige Unterschied ist, dass er sich bei all seinen Veränderungen verjüngt hat, und ich wage zu behaupten, dass er diese Veränderungen bis heute mit Bravour bestanden hat.
In den 50. Jahren stand der Landfrauenverband ganz im Zeichen unserer katholischen Kirche. Die Frauen sollten eine religiöse, so wie hauswirtschaftliche Erziehung genießen und zwar nach Feierabend, wenn Vieh und Kinder versorgt waren. Meine Mutter durfte, ich betone das „durfte“ von Eibertingen zu Fuß nach Amel zu den Landfrauenversammlungen gehen, denn mein Vater glaubte, dass dort entweder gebetet oder gekocht würde. Die Frauen waren froh sich untereinander zu treffen, denn gewisse Probleme wurden dort angesprochen, über die man sonst nur hinter „vorgehaltener Hand“ sprechen durfte. Der Pastor, der automatisch Präses der Gruppe war, war fast immer anwesend er hat aber nach und nach eingesehen, dass die Frauen alleine freier diskutierten und zog sich diskret nach dem Gebet zurück.
Alles Material für Vorträge, Kochabende usw ... wurde vom Mutterhaus KVLV in Löwen zur Verfügung gestellt. Aber nach und nach entließ KVLV uns, den Landfrauenverband, in die Selbstständigkeit.

Eine große Veränderung stand an.
Wir bekamen Statuten. Wir sind nun ein christlich orientierter Verband. Welche Möglichkeiten und welch große Veränderungen sich dadurch erschlossen, steht außer Frage. Wir wurden als Erwachsenenbildungsorganisation der DG anerkannt.
Die Gruppen wurden strukturiert. Von den Mitgliedern über die Kerngruppen, Dekanatsverantwortlichen, Verbandsrunde, Verwaltungsrat und Generalversammlung sind wir nun zu einer VOG herangewachsen.

Das Ehrenamt wird beim LFV groß geschrieben.
Neben den Hauptverantwortlichen in Eupen ist es der Verbandsrunde nun möglich, direkt an der Gestaltung und den Angeboten des LFV mit zu wirken und neue Ideen zu entwickeln.
Die Stundenblume ist aus dem LFV heraus zu einem ebenbürtigen Zweig herangewachsen. Wir dürfen mit Stolz behaupten, dass sie auch von offiziellen Stellen mit Respekt behandelt wird und in der ehrenamtlichen Betreuung älterer Menschen nicht mehr wegzudenken ist.
Das Redaktionsteam entscheidet, über welche Themen im unserer Mitgliederzeitschrift „Bunten Faden“ geschrieben wird.

Die Pastoralverantwortlichen arbeiten Vorschläge zur Erntedankmesse und Adventsfeier aus. Sie organisieren die Pilgerfahrten und bieten Einkehrtage und Pastoralschulungen an.
Verwaltungsrat und Generalversammlung
unterstützen den Verband auf struktureller und finanzieller Ebene durch ihre Entscheidungen. Wie eine fürsorgliche Mutter verhält sich unsere Dachorganisation KVLV in Löwen.
An dieser Stelle danken wir auch dem Ministerium der DG für ihre finanzielle Unterstützung.
Mir liegt viel daran, dass Ihr in Eurer Gruppe über unser Zwei-Jahresthema „Veränderung als Chance“ besonders nachdenkt. Denn Veränderungen wird es auf politischer so wie sozialer Ebene in Zukunft geben, das können wir nicht leugnen und ich glaube jede von uns spürt das.

Wir Landfrauen werden helfen an bevorstehenden Veränderung mit zu wirken.

Veränderung als Chance in der Spiritualität
Der Mensch lebt die Veränderung sobald er das Licht der Welt erblickt. Die Natur verändert sich immer wieder durch die Jahreszeiten.Mehr als je zuvor stehen Veränderungen auf der Tagesordnung.Es scheint, dass manche Anpassungen mehr Widerstand als andere hervorrufen.Frau Müller, die in ihrer Jugend die Wäsche im Waschzuber zum Kochen brachte, will sich heute nicht mehr von der Waschmaschine trennen. Dagegen will sie von Erneuerung in der Kirche nichts wissen und kritisiert die Veränderung im Gottesdienst. Jede Veränderung geht gegen mehr oder weniger tief verwurzelte Gewohnheiten.Ein altes Sprichwort sagt: „Die Erde dreht sich weiter, das Kreuz steht fest.“ Aber die christliche Religion existiert nicht außerhalb dieser Erde, die sich dreht.Die Apostel sind in die Welt gesandt worden. Während ihrer langen Geschichte hat die Kirche mehr oder weniger erfolgreich in unterschiedlichen Gesellschaften Fuß gefasst, welche ihrerseits Veränderungen mitmachen mussten. Die Christen sind eingeladen, die Sache Gottes zu der ihren zu machen, überall dort, wo der Mensch in seinem Leben, seiner Freiheit, seiner Würde bedroht ist. Die Kirche ist keine Institution die auf eigenen Füßen steht; sie braucht unsere Hände!

Veränderung als Chance in der Familie
Die Familie gilt als Institution, die wichtige Aufgaben in der Gesellschaft übernimmt. Insbesondere die Erziehung der Kinder. Das Gesicht der bürgerlichen Kleinfamilie ändert sich. Statt Mutter verheiratet mit dem Vater des Kinds, lassen sich heute eine Vielzahl von Familienformen finden, z. B. Patchwork-Familien - bedingt durch Familiengründung ohne Trauschein, Trennung, Scheidung, neue Partnerschaft. Erst mit dem Aufstieg des Bürgertums im 18. und 19. Jahrhundert entsteht das Leitbild der „traditionellen“ Familie, lebenslange Gemeinschaft von Vater–Mutter-Kind. Dieses Familienleitbild wirkt bis heute fort. Mitte der 50er und 60er Jahre war das Muster der selbstständigen Hausgemeinschaft eines verheirateten Paares mit seinen unmündigen Kindern so dominant wie nie zuvor und wurde von der Mehrheit der Bevölkerung nicht hinterfragt. Seither stellen wir verschiedene Veränderungen fest:
Abnahme der Eheschließungen,
rückläufige Geburtenziffern.

Dies bezieht sich auf die Veränderung seit der Nachkriegszeit.

Heute werden neue Arrangements von Familie und Beruf gefunden. Paare müssen aushandeln was für sie Priorität hat. Verschiedene Lebensformen werden ausprobiert: Die Mehrheit der jungen Frauen strebt eine doppelte Lebensplanung an, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Die Realität konfrontiert diese Frauen mit Koordinationsproblemen!

Wenn wir uns heute den Wandel der Familien anschauen, sehen wir, dass die Familie brüchiger geworden ist. Aber diese Brüchigkeit ist Normalität geworden, so dass wir uns damit auseinander setzen müssen. Wir müssen Risiken erkennen, die mit der individualisierten Lebensweise verbunden sind, aber gleichzeitig auch die Chance der neuen Entwicklung verstehen. Denn der Blick in die Geschichte zeigt, dass Menschen Stärken entwickeln und neue Freiheiten erhalten.

Veränderung als Chance in der Welt der Technik

Die Merkmale der digitalen Welt sind allgegenwärtige Informationsverfügbarkeit
Wir haben heute Zugang zu Informationen auf der ganzen Welt.

  • soziale Virtualisierung
    Das reale und virtuelle Leben kann verschmelzen. Die Bereitschaft von Nutzern ihr gesellschaftliches Leben online zu teilen, ermöglicht neue soziale Netzwerkdienste wie Facebook und Twitter.
  • absolute Mobilität
    Wir haben jederzeit und an jedem Ort Zugang zu Netzwerken, Produkten und Diensten. Damit werden mobile Teledienste ermöglicht, wie etwa mobile Fernüberwachung Gesundheitschecks und auch Navigationsdienste im Automobilbereich.
  • permanente Erreichbarkeit
    Die dauerhafte Erreichbarkeit gestattet es, Nutzern jederzeit Angebote zu offerieren, wie z. B. Wettervorhersagen oder Stauinfodienste.
  • Lokalisierung
    Aufgrund der Mobilfunkzellen und Geo-Ortung kann es möglich sein, Benutzer von Smartphones bis auf wenige Meter zu lokalisieren.
  • leistungsfähige Technologie
    Die modernen Geräte, sind nicht mit denen von vor fünf oder acht Jahren zu vergleichen. Sie haben viel mehr Möglichkeiten wie Rechenkapazität, Funktionalität, Finger-Scanner u. s. w.

In neuen Fabriken steuern Maschinen sogar die Fertigung individueller Kundenwünsche. Der Trend ein Einzelstück vom Band zum Preis von Massenware öffnet der Industrie lukrative Märkte. Mit cleveren Ideen revolutionieren junge Firmen in kürzester Zeit über Jahrzehnte entstandene Branchen.

Die moderne Technik ist Fluch und Segen zu gleich!

 

Veränderung als Chance mit Flüchtlingen und Migranten

Wenn wir an einem Tag um die ganze Welt reisen und seit 50 Jahren sogar zum Mond fliegen können, können wir nicht erwarten, in Europa unter uns zu bleiben. Die Zuwanderung von Menschen aus Krisenregionen stellt uns vor große Herausforderungen.

Starthilfen, Sprachkurse, preiswerter Wohnraum, den man Flüchtlingen versagt, schlagen sich später in höheren sozialen Kosten nieder. Menschen, die über längere Zeit keine Perspektive entwickeln, werden häufig krank, finden seltener Arbeit und landen häufiger in der Obdachlosigkeit. Sie sind stärker von der Sozialhilfe abhängig. Ihre Kinder haben es sehr schwer, aus diesem Kreislauf herauszukommen.

Viele Menschen die vor den Bomben der Terrorregime im Nahen Osten flüchten, werden irgendwann unsere Nachbarn, Arbeitskollegen oder die Schulfreunde unserer Kinder und Enkel. Wir werden ihnen begegnen und mit ihnen leben. Viele werden studieren, arbeiten und am politischen Geschehen teilnehmen.

Flüchtlinge müssen begleitet und betreut werden.

Migrationsforscher Bernhard Perching aus Wien schlägt vor, „Anreize für Vermieter zur schaffen um sie dazu zu bringen, leere Wohnungen temporär zur Verfügung zu stellen.“ Zwei, drei Jahre würden als Überbrückung genügen, danach könnten sich die Flüchtlinge auch am freien Markt zurecht finden.

Rasche Asylverfahren sind ein wichtiger Beitrag zur Integration. Viele Flüchtlinge haben Monate und Jahre in Lagern oder auf der Reise nach Europa verloren. Ausbildung und Erfahrung verlieren mit der Zeit ihren Wert. Je schneller sie unsere Sprache lernen und auf eigenen Beinen stehen, desto eher werden sie für unsere Gesellschaft eine Bereicherung.